Lehre

Lehrveranstaltung an der Freien Universität Berlin im Wintersemester:

Dichtungstheorie im Zeichen der Sprachkrise. Hofmannsthals Chandos-Brief im Kontext

In seiner berühmten Kurz-Prosa „Ein Brief“, dem sog. Brief des Lord Chandos, bringt Hofmannsthal eine vielschichtige Sprach- und Kulturkritik auf den Punkt: So nuancenreich die Sprache auch wäre, scheint sie über das Eigentliche des Lebens nichts aussagen zu können, weil sich mit jeder Ästhetisierung und Stilisierung die Worte vom wahren Sein zugleich auch entfernen. Die Sprachkrise um 1900 ist insofern Ausdruck einer umfassenden Sinnkrise der Kunst, die Dichter und Künstler immer schon umgetrieben hat, im Symbolismus aber zum Antrieb einer ganzen Poetik avanciert. Zu ihr gehört etwa die Hinwendung zum Sehen, die den Wirklichkeitsbezug der Sprache zu gewährleisten hätte, oder die Thematik des Künstlers, die in Bild- und Künstlergedichten Hofmannsthals, Rilkes und Georges die Sprache in einen neuen Stand der Selbstreflexion überführen soll. Diese und andere Positionen der Poetik und Hermeneutik sind im Seminar am exemplarischen Fall der Dichtungstheorie um 1900 zu erarbeiten, wobei auch Methoden der Text- und Gedichtanalyse geschärft werden.

 

            Priv.-Doz. Dr. Boris Roman Gibhardt

Universität Bielefeld

Fakultät für Geschichtswissenschaft,
Philosophie und Theologie

Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld

Freie Universität Berlin

Fakultät für Philosophie und Geisteswissenschaft,

Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

Habelschwerdter Allee 45, 15195 Berlin

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